Klimafakten

Klima-Fakten: Die Realität ist schlimmer als die Warnungen

Die Summe der alarmierenden Nachrichten zu Klimakrise und Umweltzerstörung ist eigentlich kaum zu ertragen. Dennoch gibt es noch immer Menschen, die die Angst vor dem Kollaps für übertrieben halten – ebenso wie die Trauer um das, was bereits verloren und vernichtet ist. In einer Zeit, in der uns immer neue, zutiefst beunruhigende Nachrichten erreichen, sprechen manche noch immer von „Klimahysterie“ oder von Greta Thunberg als „Alarmistin“. Daher haben wir hier einige Meldungen der letzten zwei Jahre aufgelistet.

Für diejenigen, die diese Liste des Schreckens als belastend erleben: bitte nur dosiert lesen, immer wieder innehalten und auf die eigene Resonanz achten.

Im Juli 2017 haben Klima-ExpertInnen zahlreicher Institute anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg wichtige Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammengefasst. Das Dokument gibt es hier als pdf und als Übersicht auf Klimafakten.de (die Webseite bietet zahlreiche Informationen zu Klimafragen).

Daraus einige wichtige Punkte aus der Faktenliste:

  • Die Mitteltemperatur an der Erd- und Wasseroberfläche hat in den vergangenen Jahrzehnten im Mittel stetig zugenommen. Seit den 1960er Jahren war jede Dekade wärmer als die vorherige. Die bisherigen Daten für das laufende Jahrzehnt deuten darauf hin, dass auch die Dekade 2011 bis 2020 einen neuen Höchststand markieren wird. 
  • Auch in Deutschland ist der Klimawandel bereits unübersehbar.
  • Es gibt eine markante Zunahme von Hitzeereignissen.
  • Das Risiko von Hochwassern nimmt zu.
  • Schwere Gewitter richten weltweit größere Schäden an.
  • Der Meeresspiegel an den deutschen Küsten steigt. Sturmfluten fallen höher aus.
  • Pflanzen und Tiere reagieren auf die allgemeine Erwärmung.
  • Land- und Forstwirtschaft spüren bereits deutlich Folgen des Klimawandels. 

Im Juni 2019 schreibt Autor Jonas Schaible: Warnungen vor dem Klimawandel gelten oft als überzogen. Doch aktuelle Studien zeigen: Das Gegenteil trifft zu.

„Waldbrände, überhitzte Ozeane, schmelzender Permafrost, anhaltende Trockenheit, extreme Wetterlagen: Der Klimawandel zeigt sich schon jetzt in sichtbare Konsequenzen. Wie drängend das Problem ist, verdeutlichen mehrere aktuelle Berichte der Klimawissenschaftler. Ein Blick auf neuere Studien legt den Schluss nahe: Die Warnungen und Prognosen sind eher vorsichtig, eher konservativ, eher zu zurückhaltend als zu apokalyptisch.“

Die Erderhitzung schreitet schneller voran als gedacht

Hier einige der Meldungen, es ist nur ein Teil der Fakten, die Jonas Schaible in seinem Artikel zusammengetragen und mit Quellenangaben versehen hat: 

  • 26. November 2018: Im vierten „National Climate Assessment“ der US-Regierung prognostizieren die Autoren horrende Kosten und katastrophale Folgen für die USA. Sie verweisen auch darauf, dass das arktische Eis instabiler zu sein scheint und dass der Permafrost schneller auftaut als gedacht, dass Schneedecken in einigen Staaten schneller dünner werden als bisher angenommen. „Neue Beobachtungen und Vorhersagen weisen darauf hin, dass Entscheider weniger Zeit haben als bisher gedacht, um auf die Folgen der Klimaveränderung zu reagieren.“ (Quelle, pdf)
  • 5. Dezember 2018: Forscher schreiben in „Nature“, es gebe Hinweise darauf, dass die Erhitzung schneller voranschreite als gedacht und dass die Erde nicht erst im Jahr 2040 um 1,5 Grad wärmer sein wird als in der vorindustriellen Zeit, sondern schon im Jahr 2030. Grund seien steigende Emissionen, schneller sinkende Luftverschmutzung, die durch Reflexion des Sonnenlichts zur Kühlung beiträgt, und natürliche Zyklen. „Die Politik hat weniger Zeit, um darauf zu reagieren, als gedacht“, schreiben Wissenschaftler vom Scripps Institution of Oceanography in San Diego. (Quelle
  • 10. Januar 2019: Forscher berichten aufgrund neuer Daten, die Meere erwärmten sich schneller als bisher gedacht. Die Ozeane heizen sich demnach um 40 Prozent schneller auf als im fünf Jahre alten vierten IPCC-Sachstandsbericht angenommen. Damit könnte der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um weitere 30 Zentimeter ansteigen. (Quelle
  • 21. Januar 2019: Das Eis im Südwesten Grönlands schmilzt schneller als bisher angenommen, wie eine Studie zeigt. Dabei handelt es sich nicht um Gletschereis, sondern um das Eisschild selbst, in einer Gegend, die bisher nicht als sonderlich gefährdet galt, wie einer der Autoren sagt. (Quelle)
  • 12. Februar 2019: Das Volumen der meisten Gletscher in Asien ist kleiner als bisher angenommen, schreiben Forscher der ETH Zürich in „Nature Geoscience“. Das hat Folgen für die Wasserversorgung für viele Staaten in Asien, in denen die Himalaja-Gletscher wichtige Süßwasserspeicher sind. (Quelle) Anfang April erscheint in „Nature“ eine Studie, die sich mit der weltweiten Gletscherschmelze befasst und zum – allerdings nicht ganz sicheren – Ergebnis kommt, dass die Gletscher schneller zu schmelzen scheinen als bisher berichtet.
  • 24. Februar 2019: Kanadas Wälder speichern wegen Klimaschäden, Waldbränden, Insektenbefall und Abholzung weniger CO²als bisher gedacht und werden in der Klimabilanz des Landes bisher nicht angemessen berücksichtigt. (Quelle
  • 27. März 2019: Das Umweltprogramm (Unep) der Vereinten Nationen warnt: Neue Daten legen nahe, dass der arktische Permafrost viel schneller auftaut als bisher gedacht. Damit könnten schneller große Mengen Methan in die Atmosphäre gelangen, die im vereisten Boden gespeichert sind. Methan hat eine viel stärkere Treibhauswirkung als CO². Damit würde sich die Erderhitzung beschleunigen und könnte schnell außer Kontrolle geraten. Wenn das passiert, wäre erreicht, was Wissenschaftler „Kipp-Punkt“ nennen: Der ganze Prozess gerät völlig außer Kontrolle, verstärkt sich selbst und der Mensch hat keine Möglichkeit mehr, einzugreifen. (Quelle)
  • 6. Juni 2019: Wissenschaftler aus Harvard kommen zu dem Schluss, dass die Gefahr durch auftauende Permafrostböden noch viel größer ist als gedacht – weil die in Alaska etwa 12 Mal mehr N2O (Distickstoffmonoxid, bekannt als Lachgas) abgeben als bisher gedacht. Und N2O ist ein extrem wirksames Treibhausgas, es erhitzt die Erde viel stärker als CO2. Bisher war die Wissenschaft eher davon ausgegangen, dass Lachgas in Permafrostböden keine sonderlich große Gefahr darstellt. 
  • 18. Juni 2019: Forscher der Universität von Alaska Fairbank haben festgestellt, dass der kanadische Permafrostboden viel schneller taut als gedacht. Sehr viel schneller sogar: An allen Messpunkten sei der Boden jetzt so stark oder stärker getaut, als es Prognosen für das Jahr 2090 vorhergesagt haben – also 70 Jahre früher als gedacht. (Quelle)

Der Zustand der Weltmeere …

Im August fasst Frank Alt auf sonnenseite.com die Ergebnisse der vom International Programme on the State of the Ocean (IPSO) einberufenen Experten zusammen: Sollten innerhalb der nächsten zehn Jahre keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden, um die durch die beispiellose Klimaerwärmung und andere menschliche Aktivitäten verursachten Schäden aufzuhalten, könnte es zu katastrophalen Veränderungen der Funktionsweise der Weltmeere kommen, wodurch nicht nur lebenswichtige Ökosysteme, sondern auch die Lebensgrundlage der Menschheit bedroht sind
Der IPSO-Bericht zeigt eine Reihe besorgniserregender Tendenzen auf:

  • Es gibt Hinweise darauf, dass die Ozeane allmählich beginnen, einen Teil der gespeicherten Wärmeenergie freizusetzen, was in den kommenden Jahren weltweit zu einem erheblichen Temperaturanstieg beitragen könnte.
  • Der sinkenden Sauerstoffgehalt der Ozeane ist eine alarmierende Tendenz, die in Kombination mit chemischen Schadstoffen weite Gebiete hypoxisch (minderversorgt mit Sauerstoff) oder anoxisch (Sauerstoffgehalt gegen 0) werden lässt.
  • Das arktische und antarktisches Eis schmilzt schneller als von Wissenschaftlern prognostiziert. Der daraus folgende Anstieg des Meeresspiegels hat katastrophale Folgen für Städte weltweit.

Der IPSO-Bericht erscheint im Vorfeld des ersten, für September 2019 geplanten Berichts des IPCC, der sich ausschließlich mit dem Zustand der Ozeane und der Kryosphäre befasst. Eine UN-Klimakonferenz im Dezember wird sich voraussichtlich auf die Bedeutung der Ozeane innerhalb der Problematik des Klimawandels konzentrieren. 

Hauptautor Professor Dan Laffoley (International Union for Conservation of Nature) sagte: „Angesichts der gegenwärtigen Klimaeffekte ist die Tier- und Pflanzenwelt der Meere gleich mehrfach durch Ersticken, Verhungern, Überhitzung und Säurekorrosion bedroht. Die Lage verschlechtert sich kontinuierlich. Wir müssen gegen den Klimawandel vorgehen, aber auch dringend für Resilienz sorgen. Bei einem Kollaps der Ozeane ist das gesamte Leben auf der Erde bedroht. Dieser Bericht umfasst acht nicht nur praktische, sondern auch ambitionierte Maßnahmen, die gleichzeitig umgesetzt werden müssen, um dieses Szenario zu verhindern.“ 

Co-Autor Professor Callum Roberts (York University) ergänzte: „Wir haben rund 10 Jahre Zeit, um zu handeln. Wenn jetzt keine Maßnahmen ergriffen werden, ist es zum derzeitigen Zeitpunkt wesentlich wahrscheinlicher, dass kritische Schwellen bei der Zerstörung der Ozeane erreicht werden. Dabei gibt es derzeit große Chancen, tatsächlich etwas zu bewirken: Das Pariser Klimaabkommen tritt 2020 mit seinem Umsetzungsplan in Kraft, die Verhandlungen über den UN-Vertrag zum Schutz der biologischen Vielfalt außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit sollen bis 2020 abgeschlossen sein, gleichzeitig enthält eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung im Hinblick auf die Ozeane Zielvorgaben, die bis 2020 erreicht werden sollen. Die Umsetzung dieser politischen Möglichkeiten und die Bündelung der globalen Anstrengungen müssen Früchte tragen.“

… und das Dürrerisiko

Im WWF-Report vom August 2019 heißt es: Das Dürrerisiko für Europas Energieversorgung und Landwirtschaft wächst. Die Dürrekrise hat weltweit Fahrt aufgenommen. In Europa werden Wetterextreme durch die Erderhitzung immer wahrscheinlicher. Dürren zerstören wichtige Ökosysteme und gefährden die Ernährungssicherheit. Sie befeuern soziale Unruhen und politische Konflikte.

In einer Welt, die auch für ihre Energieversorgung stark vom Wasser abhängt – sei es zum Kühlen, als Transportweg oder als Wasserkraft –, führen häufigere und intensivere Phasen extremer Dürren zu akutem Ausfallpotenzial, warnt der WWF. Laut des Reportes liegt der Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais und Reis bereits heute zu 22 Prozent in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko.

Steigt das Dürrerisiko, wächst die Wahrscheinlichkeit von regionalen Konflikten um knappe Wasserressourcen. In politisch instabilen Ländern wie Syrien, Libanon, oder Palästina verstärken Dürren bereits bestehende Krisen. Besonders betroffen ist der Mittlere Osten, wo 90 Prozent der Landfläche in die höchste Risikokategorie für Dürren fällt. In Europa hat die Türkei, insbesondere in der Grenzregion zu Griechenland und Bulgarien, ein hohes Risiko für wasserbasierte Konflikte und Krisen, warnt der WWF.  

Weltweit befinden sich bereits 19 Prozent der Städte mit mehr als einer Million Einwohnern in Gebieten mit hohem bis sehr hohem Dürrerisiko – betroffen sind dort insgesamt rund 370 Millionen Menschen. Auf der Liste stehen sechs Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern: Delhi, Kairo, Karachi, Istanbul, Rio de Janeiro und Hyderabad. In Europa sind neben Istanbul derzeit unter anderem Madrid und Lissabon einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. 

„Andere Städte wie Rom, Neapel, Athen und München könnten in wenigen Jahren beim Dürrerisiko nachziehen“, erwartet Philipp Wagnitz vom WWF. Denn auf der Nordhalbkugel der Erde erwarten Forscher in Metropolen künftig Klimabedingungen, wie sie heute mehr als tausend Kilometer weiter südlich bestehen.  

Der IPCC-Sonderbericht: Landnutzung, Klimawandel und der Point of No Return

08. August 2019 – Der neue Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) zeigt: Fast ein Viertel der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen gehen heute auf die Land- und Forstwirtschaft und andere Landnutzung zurück. Diese macht 22 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus. Allein auf die Landwirtschaft entfallen rund 50 Prozent der weltweiten Methanemissionen – ein Treibhausgas, das weniger häufig, aber pro Einheit noch klimawirksamer ist als CO2, und dessen Hauptquellen die Rinder- und Reisproduktion sind.

Das globale Landsystem steht unter hohem Druck. In bestimmten Gebieten können flächenverbrauchende Klimaschutzmaßnahmen wie Aufforstung oder der Anbau von Bioenergiepflanzen mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren.

„Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu benutzen. Das ist der einfachste Weg, unser Land zu schützen“, sagt Alexander Popp, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK.

  • Derzeit gehen 25-30 Prozent aller produzierten Lebensmittel durch Verschwendung verloren.
  • Gleichzeitig ändern sich die Ernährungsgewohnheiten: Seit 1961 hat sich der weltweite Fleischkonsum mehr als verdoppelt.
  • Darüber hinaus hat sich mit dem Anstieg der Nahrungsmittelproduktion insgesamt die Zahl der Übergewichtigen seit 1975 verdoppelt. Heute sind mehr als 800 Millionen Menschen unterernährt, während 2 Milliarden Erwachsene weltweit übergewichtig sind.

„In dem Bericht plädieren wir für drei Möglichkeiten, den Klimawandel zu bremsen: Emissionen verringern; CO2 aus der Atmosphäre entziehen, z.B. durch Aufforstung oder Kohlenstoffbindung im Boden; und – ganz wichtig – Ernährungsgewohnheiten ändern und weniger Lebensmittel verschwenden.“

Prajal Pradhan, Agrarökologe am PIK.

Ein weiterer relevanter Faktor, auf den der Bericht hinweist, ist die Verschiebung von Vegetationszonen aufgrund des Klimawandels. Der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen, Leiter der PIK-Forschungsabteilung „Klimaresilienz“ und ausgebildeter Landwirt, sagt: „Temperaturschwankungen werden die Erträge beeinflussen (…) Am anfälligsten für den Klimawandel an Land sind jene Menschen, die bereits heute unter prekären Bedingungen leben.“

„Der IPCC-Sonderbericht bestätigt, dass wir vor einem planetaren Notstand stehen. Dass sich das Zeitfenster für entschlossene Maßnahmen schnell schließt. Und dass die Kosten der Untätigkeit katastrophal sein werden.

Johan Rockström, Direktor des PIK

Der Bericht zeichnet zwar ein düsteres Bild davon, was passieren könnte, zeigt aber auch einen Weg nach vorn, einschließlich Möglichkeiten für sofortiges Handeln.“ Er betont weiter: „Was wir in den nächsten zehn Jahren erreichen – und hier sind die Regierungen gefragt – wird darüber entscheiden, ob wir es schaffen, aus dieser Notlage herauszukommen.“

Eine Zusammenfassung zu diesem IPPC-Sonderbericht findet sich auf sonnenseite.com, ebenso eine Erläuterung der Vier Klima-Kipppunkte, die das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum) auf seiner Webseite unter dem Titel „4 climate tipping points the planet is facing“ veröffentlicht hat.